About – Kaspar und die Regeln

Hi, Hier heisse ich kasparalleinzuhaus. Der Name lehnt sich an die historische Figur Kaspar Hausers an und zumindest jetzt im Moment bin ich hier noch ganz allein in meinem eigenen kleinen Blogiversum. Die Geschichte des wahren Kaspar Hauser kann im Netz nachgelesen werden. Der Name wurde bewusst von mir gewählt, mag jeder seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.

Die Anonymität dieses Blogs ist aus persönlichen Gründen gewählt, die ich hier nicht weiter erörtern möchte. Die Nennung meines wahren Namens könnte meinen Posts nicht mehr Gewicht verleihen, als deren Inhalt. Insofern setze ich mich leicht über den Vorwurf hinweg, aus dem Dunkeln zu agieren.

 

Kommentare sind hier zwar willkommen, ich bitte aber folgende Regeln zu beachten:

1.Kommentare sollten eine gewisse inhaltliche Tiefe erreichen, also deutlich über “Find ich sch…lecht” oder “Daumen hoch” hinausgehen.

2.Diskussionen sind erwünscht, wenn ich aber meine, dass es zu persönlich oder zu extrem wird, zücke ich die rote Karte.

3.Links sind hier nicht erwünscht. Wer auf fremde Inhalte hinweisen will oder muss, kann beschreiben wo diese zu finden sind. Dies sollte im Übrigen nur im Zusammenhang mit einem Kommentar geschehen, der dem Leser genug eigenen Inhalt bietet, so dass zusätzliche Inhalte auf Drittseiten nur der Detaillierung, nicht aber der eigentlichen Informationsdarlegung dienen.

 

Na dann

Viel Spass!

Offener Brief an den Innenminister

Sehr geehrter Herr Dr. Friedrich,

Teilweise mit Bestürzung, manchmal auch mit Belustigung, meist aber mit recht gemischten Gefühlen durften wir Deutschen am eigenen Leib erleben, wie es zugeht – oder zugehen sollte, wenn es bei unserem Innenminister fremdelt. Ob es dabei um das Internet und seine Nutzer ging, die sich ja vor allem so leicht hinter ihren achso anonymen IP-Adressen verstecken können und daher erst einmal unter Generalverdacht gestellt gehören oder Genossen anderer Parteien, die aufgrund ihres differierenden Spektrums großzügig mit (Über)Wach(ungs)personal bedacht wurden, oder um Andersgläubige, die ungeachtet ihrer Herkunft (Tipp: gibt es auch mit deutschen Pässen und sogar ohne „Migrationshintergrund“), Integrationstiefe, Aufenthaltsdauer, gesellschaftlicher, kultureller oder gar wirtschaftlicher Bedeutung en passant als nicht dazu gehörig abgekanzelt werden.

Aber , lieber Herr Dr. Friedrich, so richtig wundern will uns das alles nicht. Was kann man erwarten, wenn aus einem Berufsstudenten ein Berufspolitiker erwächst, wenn man erst dies und dann das studiert und schließlich wieder bei dies promoviert? Da darf man getrost erwarten, dass die Erdung nicht verloren geht, sondern nie bestanden hat. Es erstaunt bei näherer Betrachtung des Rests unserer Staatslenkerriege  auch nicht weiter, dass so jemand in eines der höchsten Ämter unseres Staates vorrückt und dort auch noch ungestraft über allerlei Themen döspaddeln darf, ohne dass jemand mal „Halt’s Maul!“ schreit. Erstaunen würde uns wohl eher, wenn sich bei einer direkten Wahl für Sie noch eine Mehrheit ergäbe. Wer da die Hand – nur zum Abstimmen selbstverständlich – noch heben will, der muss tatsächlich tiefst geschwärzter Hardcorebayer durch und durch sein.

Wie dem auch sei: Nun hat es also die Griechen getroffen!

Herr Dr. Friedrich,  ich kann ja verstehen, dass Ihnen in Ihrem Amt als deutscher Innenminister die Wiege der westlichen Demokratie pupsegal ist,  dass einem Juristen altgriechische Philosophen, die sich unter anderem mit Staatslehre, Ethik, Dialektik oder – als abstrakter Höhepunkt – Logik beschäftigt haben,  eher ein Graus sind, und dass der angetäuschte Betriebswirtschaftler in den maroden antiken Bauten eher ein Geschäftsrisiko mit Rücklagen- und Einnahmenunterdeckung und Unterhaltungsstau sieht, – all das verstehe ich noch rudimentär. Der Fastvolkswirtschaftler in Ihnen hätte aber doch aufschreien müssen bei der Äußerung „…“Außerhalb der Währungsunion sind die Chancen Griechenlands, sich zu regenerieren und wettbewerbsfähig zu werden, mit Sicherheit größer, als wenn es im Euroraum verbleibt.“!

Wie sollte denn das Ihrer Meinung nach von statten gehen? Mit einer wiedereingeführten Drachme, die sich angesichts der griechischen Infrastruktur und den ungelösten wirtschaftlichen und politischen Problemen im freien Trudeln wiederfinden dürfte? Und bedeutet raus aus der Eurozone auch raus aus der EU? Oder wollten Sie etwa die wirtschaftliche und politische Einheit beibehalten und nur die Währung rauslassen? Hatten Sie wirklich geglaubt so etwas funktioniert? Oder hätten sie das Ausscheiden eines Mitgliedsstaats aus der EU, der bei den ersten Erweiterungen vor 30 Jahren dabei war und dessen Hauptstadt 2004 Schauplatz der Unterzeichnung der größten Erweiterung der EU überhaupt war, billigend in Kauf genommen? Nicht vor den Toren sondern in den Grenzen Europas wünschen Sie sich ein hausgemachtes Schwellen- oder Dritte-Welt-Land?  Wäre ein Familienurlaub auf Rhodos dann nicht spaßig?

Wenn wir den vermeintlich leichten Weg gehen und Griechenland mit einem „Angebot“ aus der Eurozone entlassen, wie gedenken Sie diese Tür wieder zu schließen, damit wir andere Wackelkandidaten nicht ebenfalls mit solchen Angeboten beglücken dürfen und die einst hochgelobte Eurozone so Stück für Stück pulverisiert wird?

Lieber Herr Dr. Friedrich, außer Geschwafel haben wir leider mal wieder nicht viel von Ihnen gehört. Wieviel schöner wäre es gewesen, wenn Sie Ihren Atem, Ihre Stimme und Ihr schwindendes politisches Gewicht dazu genutzt hätten, wahre Lösungen für Griechenland zu finden und zu propagieren. Wie wäre es, wenn wir unseren griechischen Freunden und Partnern nicht nur eine Totspartroika schicken und stattdessen eine ausreichende Anzahl an erfahrenen und von der EU bezahlten Beamten, Angestellten und Spezialisten entsenden würden, um ihnen dabei zu helfen, die von uns gestellten Aufgaben zu erfüllen. Ich könnte mir sehr gut ein paar tschechische Gerichtsvollzieher vorstellen, die man auf säumige Steuerzahler loslässt. Interessant wären vielleicht auch ein paar italienische Staatsanwälte, die dann in der Korruptionsbekämpfung einzusetzen wären. Da lassen sich bestimmt noch sehr viele Beispiele finden, genauso wie juristische, politische und auch einfach menschliche Stolpersteine.

Ich fände allerdings diese Art der Zusammenarbeit deutlich partnerschaftlicher und auch humaner, als einfach zu sagen: „Ich mach euch ein Angebot und dann seht mal zu, wie ihr fertig werdet“.

In diesem Sinne

kasparalleinzuhaus

ps: Geboren und aufgewachsen in Naila? Sind Sie da sicher Herr Dr. Friedrich? Nicht vielleicht etwas weiter südlich? So in Höhe Palermo, Don Friedrich?

Deutschland schweigt

Deutschland schweigt – wieder einmal

Heute um 12 Uhr mittags war es soweit: Deutschland hielt inne, versank in Schweigen, gedachte der Opfer rechter Gewalt.  Und alle machten mit – naja, vielleicht doch nicht alle.  Zu letzteren gehörte ich auch.

Nicht das es mir um diese Opfer nicht leid getan hätte. Ich bin auch kein Anhänger rechter Ideologien, geschweige denn, dass ich Gewalt befürworten würde. Ich habe mich nur gefragt, was die Opfer, derer man da so still gedachte, zu dieser Aktion zu sagen gehabt hätten. Ob die wirklich so begeistert davon gewesen wären? Hätten sie gesagt „Ja, das finden wir prima, dass ihr alle den Mund haltet!“? Oder wären sie wie ich eher Anhänger des Mottos gewesen „Arsch huh, Zäng ussenander“?

Wenn wir mal für einen Moment annehmen wollen, dass sie auch lieber Letzteres hätten, an wen würden sie das denn adressieren wollen oder können?

Da wäre in meinen Augen erst einmal das Grundgesetz zu beachten. In Artikel 21 heißt es: “ (1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit…“. Damit stehen meines Erachtens  die politischen Lautsprecher jedweder Couleur in der ersten Reihe. Wer gegen Rechtsextremismus und dessen Gewalt ins Feld ziehen will, muss das mit dem politischen Willen zur Bildung tun. Aus Bildung wächst Verstehen, Verstehen führt zu Verständnis, Verständnis zu Toleranz und Toleranz verdrängt schließlich Gewalt. Klingt eigentlich ganz einfach, aber warum schaffen wir es dann trotzdem nicht?

Wir sprechen zwar alle deutsch, aber noch längst nicht dieselbe Sprache. Sechs Striche im richtigen Winkel an eine Hauswand zu pinseln, kann man mit zweimal Üben jedem Deppen beibringen.  Bei „Einigkeit und Recht und Freiheit“ hapert es oft schon an ausreichenden Rechtschreibkenntnissen und dazu ist es zu umfangreich, als das es auf einer rot-weißen Armbinde untergebracht werden könnte.

„Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ – Das versteht Max Mustermann und auch Hans Wurst. Im Zweifel sind sie deutsch und die anderen eben Ausländer.  Bei der Definition und gar Anwendung der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ tun sich Legislative, Judikative und auch Executive schon schwer (siehe u.a. Wikipedia => Kopftuchstreit). Wie sollen dann Max und Hans, du und ich und werweissnoch damit auf Anhieb zurecht kommen?

Rechtes „Marketing“ ist erfolgreich. Es ist erfolgreich, weil es in all seiner Einfachheit Max Mustermann und Hans Wurst auf der Couch vor dem Fernseher und am Tresen abholen und mit auf die Reise nach rechts nehmen kann.

Was ist also zu tun? Soll man mit ebenso einfachen Sprüchen gegenhalten?  Vielleicht, aber das wird nicht einfach, wie ich ja oben schon angerissen habe.

Oder soll man lieber Max und Hans „impfen“, damit das rechte Saatgut gar nicht erst aufgehen kann? Da stünde dann wieder Bildung im Vordergrund, die allerdings nicht nur politischer Natur sein müsste.

Wir brauchen wahrscheinlich eine Mischung, je bunter, je besser, in der für möglichst jeden etwas zu finden ist. Laut Grundgesetz sind wir zwar alle gleich, die Realität sieht jedoch (leider? Gottseidank?) anders aus.  Diese Mischung muss dann auch noch großflächig unter das Volk gebracht werden. Aber genau bei diesen beiden Punkten sehe ich die Defizite.

Verfolgt man entsprechende Berichterstattungen in den Medien, gewinnt man den Eindruck dass nicht nur die Mischung und Konzepte dazu fehlen, sondern auch bereits weite Landstriche von Bundes- und Landespolitikern faktisch aufgegeben wurden. Wer seinen Acker aufgibt, muss sich nicht wundern, wenn andere ihn bestellen. Die betroffenen Reden hinterher schmecken dann immer etwas schal.

Natürlich können Politiker diese Aufgabe nicht allein stemmen. Sie brauchen die Hilfe und Mitarbeit  des Volkes, unser aller Können, Wissen und Fähigkeiten. Sie können allerdings den Boden bereiten, die Voraussetzungen schaffen, Mittel bereitstellen. Statt in aller Öffentlichkeit Überlegungen bezüglich Steuersenkungen anzustellen, wenn die Einnahmen sich in einem Jahr mal positiv entwickeln,  wäre es eher angebracht diese Mehreinnahmen in unseren wichtigsten Rohstoff zu stecken – Bildung.

Genug schwadroniert, ich lade morgen den verkniffenen Kampfstiefelträger aus der Nachbarschaft auf einen Döner ein. Was sag ich – morgen? Das wird wohl eher heute sein.

Es ist mittlerweile weit nach Mitternacht und das Schweigen war gestern.

kasparalleinzuhaus